Was Gründer bei der Kundenakquise beachten müssen - Das Unlauterer-Wettbewerb-Gesetz

Wer eine Geschäftsidee hat und diese erfolgreich vermarkten möchte, findet sich sehr schnell vor der Frage wieder „Wie erfahren potenzielle Kunden von meinem Produkt?“. Bekanntheitssteigerung und Neukundenwerbung sind damit die ersten unumgänglichen Schritte für jedes junge Unternehmen.

 

Doch was gilt es dabei zu beachten? Werbung um jeden Preis ist nicht nur wenig ertragreich, sondern kann unter Umständen sogar rechtswidrig sein. Das Unlauterer-Wettbewerb-Gesetz (UWG) definiert im Verbot unlauterer Geschäftspraktiken (§ 1 UWG) sehr genau, welche Aktivitäten zum Kundenfang erlaubt sind und welche nicht. Die wichtigsten Grundlagen stellt uns overnightprints.at vor.

 

 

Vorsicht mit Zusatzangeboten

 

Bei Markteintritt ist den Konsumenten das Unternehmen oder gar das Produkt selbst noch unbekannt. Da liegt es für viele Gründer nahe, das Produkt mit zusätzlichen Sonderaktionen an den Mann zu bringen. Dabei ist allerdings besondere Vorsicht geboten. Ein sachfremder Anreiz, welcher die Hauptware in den Hintergrund rückt, ist unlauter.

 

So wurde einer österreichischen Zeitschrift unlauterer Wettbewerb nachgewiesen, die ihren Kunden bei Abschluss eines Abonnements einen kompletten Städteflug schenkte. Die Rechtsprechung sah in diesem Fall kein angemessenes Verhältnis zwischen dem Zeitschriften-Abo und der Städtereise und sprach sich im Gerichtsurteil für den Kläger, ein konkurrierendes Unternehmen, aus.

 

Psychischer Zwang auf den Umworbenen ist rechtswidrig

 

Ein gewisses Maß an Emotion ist für eine erfolgreiche Kundenakquise sinnvoll. Jedoch sollten Gründer darauf achten, ihre Passion für das Unternehmen nicht in psychischen Zwang für den Kunden münden zu lassen. Unlauter nach dem Gesetzt ist daher Belästigung und die Ausnutzung von Mitleid.

 

Wer durch häufigen Kontakt psychischen Kaufdruck erzeugt oder gar durch die Androhung von Gewalt oder anderen Unannehmlichkeiten versucht den Kunden zum Kauf zu bewegen, begeht eine Straftat. Man stelle sich nur einen Handelsvertreter vor, der sich weigert zu gehen und sich auf seine hungernden Kinder beruft.

 

Personalisierte Werbung: kundenfreundlich oder verboten?

 

Einem dynamischen, kundenorientierten Unternehmen mag es sinnvoll erscheinen, Kunden persönlich anzusprechen und die Werbemaßnahmen dementsprechend personalisiert zuzustellen. Dies stellt jedoch einen gefährlichen Trugschluss dar. Personalisierte Werbung ist nach dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb rechtswidrig.

 

Besonders die Aufnahme von Erstkontakt zu Kunden um diese über das neue Produkt ins Bild zu setzen, ist ohne vorherige Einwilligung des Kunden verboten. Dies gilt auch, wenn ein erster Kontakt bspw. per Telefon genutzt werden soll, um sich die Einwilligung einzuholen. Gleiches gilt für E-Mail- und Schriftverkehr.

 

Grundsätzliche Forderung: Werbeabsicht muss ersichtlich sein

 

Besonderer Beliebtheit erfreut sich, vor allem bei jungen Start-Ups, seit einigen Jahren das Guerilla Marketing, welches durch ausgefallene Werbeaktionen auf sich aufmerksam macht. Doch was auf den ersten Blick reizvoll und innovativ wirkt, kann sich rasch als rechtswidrig herausstellen.

 

Marketing muss ohne große Anstrengung als Werbung erkenntlich sein. Die Werbeabsicht darf sich daher nicht hinter komplizierten und manipulativen Maßnahmen verstecken. Wer glaubt, diese Forderung durch Kleingedrucktes umgehen zu können, irrt. So ist eine Postkarte, welche auf den ersten Blick einer persönlich adressierten Urlaubskarte gleicht und lediglich auf der Rückseite im Kleingedruckten einen Hinweis auf das Produkt enthält, irreführend und damit unlauter.

 

Kunde darf in seiner Entscheidungsfreiheit nicht manipuliert werden

 

Letztendlich ist bei einzelnen Werbemaßnahmen für die Neukundengewinnung ein wesentlicher Faktor zu beachten: Der potenzielle Kunde darf in seiner Entscheidungsfreiheit nicht spürbar beeinflusst werden. Ob dabei psychischer Zwang ausgeübt oder durch Zusatzangebote gelockt wird, ist unerheblich. Im Einzelfall sollten Gründer sich in die Lage des Kunden versetzen und sich folgende Fragen stellen:

 

Ist das Angebot nur wegen des zusätzlichen Produktes reizvoll?

 

Fühle ich mich von der Werbebotschaft psychisch unter Druck gesetzt das Produkt zu kaufen?

 

Ist klar ersichtlich, dass geworben wird und für welches Produkt?

 

Für einen professionellen Werbeauftritt sollten unlautere Werbemaßnahmen ohnehin nicht in Frage kommen. Wer seriöses Marketing betreibt, braucht sich nicht vor Anzeigen der Mitbewerber oder spezieller Schutzverbände Gedanken zu machen und kann dennoch effektiv Neukunden anwerben.

 

Der komplette Gesetzestext, Definition sowie eingeschlossene unlautere Praktiken können hier eingesehen werden: https://www.jusline.at/Unlauterer-Wettbewerbs-Gesetz_%28UWG%29.html

 

Über die Autorin

 

Jasmin Schmidt ist Redakteurin bei Overnightprints. Recherchen zu Branchenentwicklungen im Druckbereich, neue Drucktechnologien sowie Marketingstrategien mit Printmedien und klimaneutrale Produktion gehören zu den bevorzugten Themengebieten.

 

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