Gründerlexikon: Kennzahlen und Jahresabschlussanalyse

Jeder Unternehmer sollte sich ein wenig mit seinem eigenen Jahresabschluss und da speziell mit Kennzahlen auseinandersetzen. Nur so sehen Sie nämlich, wie Sie finanziell dastehen und wie sich der Unternehmenserfolg im Zeitablauf entwickelt hat.

 

Doch Kennzahlen sollten Sie nicht nur im Jahresabschluss analysieren, sondern bereits laufend in Ihrer Buchhaltung. Auch ein Vergleich mit Unternehmen derselben Branche ist sicherlich nützlich. Die wichtigsten Kennzahlen und Kennzahlensysteme und einige wichtige Tipps zur Kennzahlenanalyse habe ich Ihnen in diesem Beitrag zusammengestellt.

 

 

Der Sinn der Kennzahlenanalyse

 

  1. Durch Kennzahlen lassen sich Sachverhalte quantifizieren und vor allem nachvollziehbar darstellen. Unterschieden wird dabei zwischen absoluten Kennzahlen wie z.B. der Umsatz einer Periode oder der Mitarbeiterstand und relativen Kennzahlen wie Renditen und Prozentanteile.
  2. Mithilfe von Kennzahlen lässt sich eine Bilanz bzw. Gewinn-und-Verlustrechnung eines Unternehmens rasch analysieren und es lassen sich Aussagen treffen über die finanzielle Stabilität und die allgemeine Ertragslage eines Unternehmens. Somit können auch externe Adressaten Ihres Jahresabschlusses wie z.B. stille Gesellschafter oder Ihre Bank schnell ausmachen, wie es um Ihr Unternehmen steht.
  3. Doch natürlich lassen sich auch unterjährig Kennzahlen errechnen. Somit wissen Sie bereits während des Jahres, ob Ihre Liquidität und Ihre Rendite ausreichend sind oder nicht bzw. ob Sie mit der Entwicklung im Plan liegen oder ob Maßnahmen zur Gegensteuerung getroffen werden müssen.
  4. Eine Finanzplanung ist erst dann sinnvoll, wenn die Erreichung der Ziele auch kontrolliert wird. Diese Kontrolle erreichen Sie durch die periodische Auswertung bestimmter Kennzahlen.
  5. Die Bank knüpft Ihre Kreditkonditionen meist an gewisse Kennzahlen. Verschlechtern sich Ihre Kennzahlen, dann verschlechtern sich meist auch die Kreditkonditionen. Umgekehrt haben Sie bei Ihrer Bank einen Trumpf im Ärmel, sollten sich bestimmte Kennzahlen im Zeitablauf immer mehr verbessern. Dafür müssen Sie sich aber erstmal mit Kennzahlen etwas auskennen.

 

 

Wichtige Kennzahlen und Kennzahlensysteme

 

Erfolgsanalyse

 

Die wichtigsten Kennzahlen zur Erfolgsanalyse sind:

  • Gewinn- oder Verlustentwicklung
  • Break-Even-Point
  • Umsatzentwicklung
  • Kostenentwicklung
  • Entwicklung des Free Cashflows
  • Cashflow in Prozent der Betriebsleistung
  • Eigenkapitalrentabilität
  • Gesamtkapitalrentabilität / ROI
  • Umsatzrentabilität
  • Debitoren- und Kreditorenumschlag
  • Lagerumschlag

 

Finanzanalyse

 

Die wichtigsten Kennzahlen zur Finanzanalyse sind:

  • Anlagenintensität
  • Eigenkapitalanteil
  • Verschuldungsgrad
  • Anlagendeckung
  • Liquiditätsgrade
  • Schuldentilgungsdauer in Jahren
  • Working Capital Ratio

 

„Soft Facts“

 

Die wichtigsten Kennzahlen zu den „Soft Facts“ sind:

  • Empfehlungsrate
  • Kundenfluktuation
  • Mitarbeiterfluktuation
  • Krankenstandstage
  • Anteil Altkunden zu Neukunden
  • Produktivität der Mitarbeiter
  • Anzahl Verbesserungsvorschläge

 

Quicktest

 

Beim Quicktest nach Kralicek wird eine getrennte Aussage in bezug auf die finanzielle Stabilität und die Ertragslage eines Unternehmens getroffen. Für beide Analysebereiche werden jeweils lediglich zwei Kennzahlen ermittelt:

 

  • Finanzielle Stabilität: Eigenkapitalanteil und Schuldentilgungsdauer
  • Ertragslage: Gesamtkapitalrentabilität und Cashflow in Prozent der Betriebsleistung

 

Genau diese Kennzahlen sind es, die am wenigsten störanfällig sind und somit die besten Ergebnisse liefern sollen. Nur wenn diese Kennzahlen schlechter sind als sie es sollten, ist es gemäß Kralicek notwendig, weitere Kennzahlen im jeweiligen Analysebereich zu ermitteln, um den Gründen dafür auf die Spur zu gehen und in der Folge Maßnahmen ergreifen zu können.

 

DuPont-System

 

Beim DuPont-System wird der Return on Investment (auch ROI oder Gesamtkapitalrentabilität) näher analysiert und in seine Einzelteile zerlegt. Damit sieht man, wie die Unterkennzahlen einen Einfluss haben auf den Return on Investment. Verschlechtert sich dieser, dann kann somit leicht ermittelt werden, woran dies liegt.

 

EVA (Economic Value Added)

 

Der EVA wird meist nur in größeren Unternehmen angewandt. Dieses Kennzahlensystem ist um einiges komplizierter als das vorhin genannte DuPont-System. Der EVA wird auch als Übergewinn über die Kapitalkosten bezeichnet. Der EVA ist demnach jener Gewinn, der nach Abzug der Eigen- und Fremdkapitalkosten übrigbleibt. Damit ist ersichtlich, ob es zu einer Wertsteigerung im Unternehmen gekommen ist oder ob es besser gewesen wäre, sein Geld anderweitig einzusetzen.

 

Auch der EVA wird ähnlich wie der ROI in seine Einzelbestandteile zerlegt um eventuellen Problembereichen auf den Grund gehen zu können.

 

 

Tipps zu Kennzahlen

 

  1. Kennzahlen periodisch auswerten: Kennzahlen sollten regelmäßig erhoben und vor allem analysiert werden. Somit lassen sich Entwicklungen und Tendenzen erkennen und es lässt sich eventuell gegensteuern.
  2. Kennzahlen mit Maßnahmen verbinden: Der Zweck der Kennzahlenanalyse ist vor allem, dass Maßnahmen getroffen werden falls bestimmte Kennzahlen sich verschlechtern bzw. falls die Planzahlen nicht erreicht werden.
  3. Über das Ziel der Kennzahl immer im Klaren sein: Erheben Sie Kennzahlen nicht wegen ihrer selbst willen. Die Erhebung und Auswertung kostet Zeit. Deshalb sollten Sie nur jene Kennzahlen berechnen und analysieren, die in Ihrem Fall wirklich einen Sinn haben.
  4. Die Kennzahlen sollten aktuell sein: Nur wenn Sie Kennzahlen zeitnah analysieren, können Sie noch steuernd eingreifen.
  5. Jede Kennzahl braucht jemanden, der dafür verantwortlich ist: Fühlt sich niemand dafür verantwortlich, dann wird sich auch nie etwas verbessern.
  6. Analysieren Sie die Kennzahlen im Zeitablauf: Wie haben sich Ihre wichtigsten Kennzahlen über die Jahre entwickelt? Sind Sie besser oder schlechter geworden? Warum haben sich die Kennzahlen verschlechtert oder verbessert? Was können Sie daraus für die Zukunft lernen?
  7. Vergleichen Sie Ihre eigenen Kennzahlen mit denen der Konkurrenz: Liegen Sie da besser oder schlechter als der Durchschnitt der Branche? Wie stehen Sie da im Vergleich zu den besten zehn bzw. 25 Prozent Ihrer Branche? Gibt es noch Verbesserungspotential? Was macht die Konkurrenz eventuell besser als Sie?
  8. Analysieren Sie aber nicht nur die „Hard Facts“: Es lassen sich auch Kennzahlen zu den „Soft Facts“ wie Mitarbeiterfluktuation, Kundenempfehlungsrate, Reklamationsanzahl und durchschnittliche Krankenstandstage errechnen. Der Vorteil dieser genannten Kennzahlen ist, dass Sie zumeist den anderen Kennzahlen wie zum Beispiel der Ertragslage voraus sind. Verschlechtern sich also diese Kennzahlen, verschlechtert sich mit einer gewissen Verzögerung auch Ihre Ertragslage. Sie können bei frühzeitiger Auswertung somit schneller reagieren und gegensteuern.

 

 

Ebenfalls interessant:

 

Gründerlexikon: Jahresabschluss

 

Gründerlexikon: Cashflow

 

Gründerlexikon: Break-Even-Point

 

 

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