Gründerlexikon: Basel II

Von Basel II hört man als Selbständiger oft. Banken benutzen Basel II mitunter als Ausrede für die Nichtgewährung von Krediten, die Medien berichten immer mal wieder darüber und Unternehmensberater weisen auf die so wichtige Ratingverbesserung aufgrund von Basel II hin.

 

Doch die wenigsten Selbständigen wissen wirklich, was es genau mit Basel II auf sich hat.

 

 

Basel II im Überblick

 

Ziel von Basel II ist es vor allem, die Geschäftsrisiken von Banken zu minimieren und damit das Finanzsystem insgesamt zu stärken. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, führte man Mindestkapitalanforderungen für Banken ein. Außerdem wurde die Bankenaufsicht gestärkt und es kam zu zusätzlichen Offenlegungsverpflichtungen für Banken.

 

Das Wort Basel in Basel II kommt daher, weil der Ausschuss für Bankenaufsicht, der diese Regelungen getroffen hat, in Basel seinen Sitz hat. Es ist dies bereits das zweite Regelwerk – deshalb der Name Basel II. Mittlerweile wird übrigens bereits über Basel III diskutiert.

 

Die Regelungen von Basel II sind von allen Kreditinstituten der Europäischen Union verpflichten umzusetzen; und zwar bereits seit dem 1. Jänner 2007. In den USA allerdings wurde das Regelwerk bisher noch nicht mit demselben Nachdruck umgesetzt wie in der europäischen Union.

 

 

Die 3 Säulen von Basel II

 

Basel II besteht im Wesentlichen aus drei Säulen:

 

  1. Mindestkapitalanforderungen
  2. Bankenaufsichtliches Überprüfungsverfahren
  3. Marktdisziplin und Offenlegung

 

 

Erste Säule: Mindestkapitalanforderungen

 

Vor Basel II war für alle Kredite eine einheitliche Regelung zur Eigenkapitalunterlegung gültig. Für jeden Kredit, den eine Bank vergab, musste ein einheitlicher Prozentsatz an Eigenkapital vorhanden sein. Dies berücksichtigte allerdings nicht das unterschiedliche Risiko der einzelnen Kreditengagements.

 

Basel II änderte diese Bestimmung grundlegend. Nunmehr ist für jeden Kredit das Risiko eines Kreditausfalles zu berechnen. Für höhere Kreditrisiken ist nunmehr ein höherer Prozentsatz an Eigenkapital zu unterlegen. Bei geringeren Risiken als Durchschnitt ist demgemäß ein geringerer Prozentsatz an Eigenkapital zu unterlegen als früher üblich.

 

Eigenkapital kostet Geld. Die Bank könnte dieses Geld nämlich anderweitig einsetzen bzw. am Kapitalmarkt zinsbringend veranlagen. Dies hat zur Folge, dass für Kredite mit höherem Risiko auch ein höherer Zinssatz zu bezahlen ist. Umgekehrt sollte bei niedrigem Risiko auch der Kreditzinssatz entsprechend niedrig ausfallen.

 

Um die Kreditausfallrisiken ermitteln zu können, muss ein Rating des Unternehmens vorliegen. Dieses Rating kann bei größeren Unternehmen von einer Ratingagentur erstellt werden oder die Bank ratet selbst – was vor allem bei mittelständischen Unternehmen fast immer der Fall sein wird.

 

Basel II spaltet daher die Gemüter: Zum einen verteuert es Kredite bei schlechtem Ratingergebnis, zum andern kann es selbige aufgrund eines guten Ratingergebnisses auch günstiger machen.

 

 

Zweite Säule: Bankenaufsichtliches Überprüfungsverfahren

 

Neben den neuen Eigenkapitalvorschriften – die das Herzstück von Basel II sind – wurde unter anderem auch der bankenaufsichtliche Überprüfungsprozess neu geregelt. Nunmehr soll es zu einer regelmäßigen Überprüfung durch die Bankenaufsicht in Hinblick auf das interne Rating, die Risikosteuerung, das Berichtswesen und der Zinsänderungsrisiken kommen.

 

 

Dritte Säule: Marktdisziplin und Offenlegung

 

Die dritte Säule betrifft vor allem eine vermehrte Offenlegung von Informationen der Banken. Gemeint sind hier vor allem Jahresabschlüsse und Lageberichte.

 

 

Das interne Rating

 

Aufgrund von Basel II sind Banken dazu verpflichtet, den Kreditnehmer in Hinblick auf seine Kreditwürdigkeit (Bonität) genau zu kontrollieren. Hauptsächlich wird dazu das interne Rating angewandt – die Bank ratet also selbst. Dabei wird der Kreditnehmer in Hinblick auf die so genannten hard und soft facts durchleuchtet.

 

Hard facts: Die hard facts betreffen die quantitativen Faktoren und werden vor allem aus den Jahresabschlüssen hergeleitet. Es werden diverse Kennzahlen errechnet, die zur Beurteilung der Bonität des Unternehmens herangezogen werden.

 

Soft facts: Die soft facts betreffen die qualitativen Faktoren wie z.B. die Eignung des Unternehmers bzw. des Managementteams zur Führung des Unternehmens.

 

Daneben werden jedoch auch Warnhinweise und die Kontendaten des Kreditwerbers durchleuchtet.

 

Vom Ergebnis dieses Ratings hängt es sodann ab, ob die Möglichkeit eines Blankokredits besteht (also ein Kredit ohne Sicherheiten), welche und wie viel Sicherheiten beizubringen sind und natürlich wie hoch der Kreditzinssatz sein wird.

 

 

Basel II für Kleinunternehmen

 

Bei Kleinunternehmen hätte sich eigentlich nicht viel ändern sollen. Die Regelungen zur Eigenkapitalhinterlegung sind nämlich erst aber einer Kreditsumme von 1 Million Euro wirksam. Unter 1 Million Euro Kreditsumme ist weiterhin ein einheitlicher Eigenkapitalanteil zu hinterlegen. Bei kleinen Krediten dürfte es also keine Auswirkungen auf die Zinskonditionen geben.

 

Die Praxis zeigt aber, dass Basel II auch hier bereits seine Auswirkungen hat. Banken differenzieren sehr wohl zwischen schlechter und guter Bonität bei der Festlegung der Zinssatzhöhe.

 

 

Tipps zur Ratingverbesserung

 

Um demnach hohe Zinsen bei der Kreditaufnahme zu vermeiden, bzw. um erst zu einem Bankkredit zu kommen, ist es ratsam, das Rating des Unternehmens zu verbessern. Dazu bieten sich eine Vielzahl an Maßnahmen an, wie z.B.:

 

  • Kommunizieren Sie offen mit Ihrer Bank. Machen Sie vor allem keine falschen Angaben.
  • Setzen Sie sich mit Ihrer Buchhaltung auseinander. Installieren Sie ein einfaches Controlling in Ihrem Unternehmen.
  • Erstellen Sie einen Businessplan und arbeiten Sie auch mit diesem. Als wichtigem Teil umfasst der Businessplan die Finanzplanung Ihres Unternehmens.
  • Achten Sie auf genügend Eigenkapital in Ihrem Unternehmen.
  • Achten Sie auf eine fristenkongruente Finanzierung. Langfristige Investitionen sollten unbedingt auch langfristig finanziert sein.
  • Reduzieren Sie Ihre offenen Forderungen durch zeitnahe Fakturierung und durch ein effizientes Mahnsystem.
  • Bereiten Sie sich gründlich auf das Bankgespräch vor. Damit wirken Sie professioneller. Dies hat Auswirkungen auf die Beurteilung der soft facts.

 

 

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