08.07.2010
08:16

Interview mit dem Unternehmer Christian Arno

Im Jahr 2001 gründete der schottische Unternehmer Christian Arno das internationale Übersetzungs- und Lokalisierungsunternehmen Lingo24, das nach nunmehr neun Jahren gewachsen ist und mittlerweile mehr als 120 Mitarbeiter auf vier Kontinenten beschäftigt und für Kunden in über 60 Ländern der Welt tätig ist.

 

Ich unterhielt mich mit Christian Arno darüber, wie er es geschafft hat, aus seinem zu Hause ins Leben gerufenem Start-up ein Weltunternehmen zu machen, und um zu erfahren, warum für einen Unternehmer die Fähigkeit, flexibel zu sein und somit viele Bälle auf einmal in der Luft zu halten, eine unbedingt notwendige Qualifikation darstellt.

 

Lesen Sie gleich das Interview:


 

 

Stellen Sie unseren Lesern bitte Ihr Unternehmen und Ihr dahinterliegendes Geschäftskonzept vor. Was machen Sie anders als andere?

 

Lingo24 ist ein Übersetzungsunternehmen, das rund um die Uhr in allen Teilen der Welt tätig ist. Das bedeutet, dass wir den Übersetzungsbedarf unserer Kunden besser als andere Anbieter decken können - darin liegt also unser Hauptunterscheidungsmerkmal.

 

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Technologie, die wir zum Vorteil unserer Kunden anwenden, sowohl im Hinblick auf unsere dadurch effizienteren internen Abläufe – die zu besserer Qualität, kürzeren Bearbeitungszeiten, niedrigeren Kosten usw. führen – als auch hinsichtlich der Art und Weise, in der wir uns den Systemen unserer Kunden anschließen, um den Administrations- und Personalaufwand zu reduzieren.

 

Beim letzten Unterscheidungsmerkmal geht es um die Service-Ebenen. Unsere Kunden können genau den Service wählen, der für sie der richtige ist – und das zum geringst möglichen Preis. Sie haben selbst die Wahl, statt dass wir uns anmaßen, dies zu bestimmen. Andere Übersetzungsunternehmen bieten das nicht an.

 

All diese Punkte stehen in engem Zusammenhang mit dem Kundenservice, denn schlussendlich gibt man einem Unternehmen einem anderen gegenüber den Vorzug, wenn man davon überzeugt ist, dort den besseren Service zu erhalten.


 

Wissen Sie noch, wie lange es von der ersten Idee bis zur wirklichen Gründung des Unternehmens gedauert hat? Gab es besondere Hürden bei der Gründung?

 

Die Idee wurde während meiner Studienzeit in Italien geboren, als ich Freunde aus verschiedenen europäischen Ländern hatte. Sie alle sprachen mehrere unterschiedliche Sprachen fließend und keiner unter ihnen verfügte über viel Geld. Also gründeten wir zurzeit des Dotcom-Booms ein Übersetzungsunternehmen im Rahmen eines studentischen Projekts, um damit etwas Taschengeld zu verdienen.

 

Lingo24 selbst wurde ungefähr eineinhalb Jahre später gegründet, im September 2001, denn ich musste zunächst meinen Abschluss an der Uni machen. Lingo24 folgte einem ganz anderen Ansatz – ein professionellerer Service, die Website war professioneller aufgemacht, das Ganze wurde, statt als studentischer Betrieb, als ordnungsgemäße Dienstleistung eingerichtet.

 

Unter allen Schwierigkeiten, das Unternehmen zu gründen, war anfangs der Hauptpunkt die Website, deren Entwurf eine Menge Zeit gekostet hat, da die Designer Ideen vorschlugen und wieder verwarfen, und außerdem die Backend-Administrationssysteme, die schon immer webbasiert gewesen sind.

 

Wie bei allen technischen Projekten, dauert es immer viel länger als einem lieb ist, ganz besonders dann, wenn man ungeduldig loslegen will.


 

Haben Sie für die Gründung einen schriftlich ausgearbeiteten Businessplan erstellt? Falls ja, wie umfangreich war dieser?

 

Ich habe vor der Gründung des Unternehmens keinen Businessplan erstellt, sondern das Unternehmen dadurch finanziert, dass ich den ursprünglichen Webentwicklern für ihre Arbeit – und darin lag der Hauptkostenfaktor – einen prozentualen Anteil am Unternehmen gab. Dadurch waren die Betriebskosten sehr niedrig. Ich selbst verfügte tatsächlich über etwas Kapital, da ich an der Börse spekuliert hatte, und hatte neben etwas Taschengeld noch genug für die Deckung der Rechtskosten und der Eintragung. Der größte Kostenfaktor wurde jedoch durch Beteiligungen gedeckt.

 

Eine andere Schwierigkeit lag in der Anfangszeit schlicht darin, Kunden zu gewinnen. Ich verplemperte eine Menge Zeit damit, an Netzwerk-Events in meiner Heimatstadt Aberdeen teilzunehmen, die wenig zielorientiert waren. Ich kann mich nicht erinnern, dadurch irgendwelche Kunden gewonnen zu haben. Vielmehr war ich auf der Suche und wusste:

 

„Ich habe diese phantastische Idee für ein Internet-Übersetzungsunternehmen, aber wie komme ich an Kunden und bekomme das Unternehmen ans Laufen?“

 

Erst als ich wirklich zu verstehen begann, wie man an die Spitze der Suchmaschinen-Rankings gelangt, war ich in der Lage, meine Geschäftsaktivitäten in prognostizierbarer und reproduzierbarer Art und Weise zu entwickeln.


 

Was unternehmen Sie, um zu Kunden zu kommen? Wie stark nutzen Sie hierzu das Internet?

 

Das Internet ist für uns vollkommen unerlässlich. Wer heutzutage nach Produkten oder Dienstleistungen sucht, greift meist auf Google zurück und gibt dort offensichtlich nicht einfach einen Begriff wie „Übersetzungsdienstleister“ ein. Das absolut Wichtigste ist daher für uns dafür zu sorgen, dass wir unter den Suchbegriffen, die zahlende Kunden verwenden, an der Spitze der Suchmaschinen stehen.

 

Mittlerweile greifen wir auch auf etliche andere Kanäle zu – die Mitarbeiter unseres Direktverkaufsteams rufen potenzielle Kunden an und pflegen Kontakte um festzustellen, ob ein Übersetzungsbedarf besteht. Außerdem haben wir ein höchst effizientes PR-Team, das sich mit Betreibern von solchen Websites, die unsere Kunden wahrscheinlich besuchen, in Verbindung setzt, um zu erfahren, ob wir nützliche Informationen zu deren Inhalten beisteuern können. Natürlich sind Besitzer von Websites nicht bereit, kostenlos Werbung zu machen. Aus diesem Grund bieten wir nützliche Informationen und Tipps an, die auf unserer Erfahrung beruhen. So können wir an die Leser und die Betreiber von Websites tatsächlich etwas dafür zurückgeben, dass wir erwähnt werden.

 

Darüber hinaus verwenden wir außerdem professionelle Netzwerk-Websites, wie beispielsweise LinkedIn und Xing in Deutschland, um unsere Netzwerke auszubauen, denn alles dreht sich darum, wen man kennt und wie man wem nützen kann.


 

Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Voraussetzungen, die ein Gründer mitbringen sollte, um Erfolg zu haben?

 

Meiner Meinung nach muss ein Gründer in der Lage sein, die Wachstumshemmer zu erkennen, eine Antwort auf die Frage zu finden: „Woran liegt es, dass ich kein schnelleres Wachstum verzeichnen kann?“ In manchen Fällen sind Menschen die Ursache, manchmal das fehlende Vermögen, sich in den Gedanken Ihrer Kunden von anderen abzuheben, mitunter juristische oder betriebliche Einzelheiten. Wichtig ist, dass man ständig alles im Auge behält.

 

All diese Bälle – die unterschiedlichen Aspekte Ihres Unternehmens – sind gleichzeitig in der Luft und Ihre Aufgabe ist es, sie alle zu beobachten und genau aufzupassen, welcher Ihre Aufmerksamkeit in besonderem Maße erfordert. Ob es sich dabei um ein Problem, eine Gelegenheit oder, je nach Lage, um beides zugleich handelt – wo immer ein Bereich Ihres Unternehmens am meisten von Ihrem Input profitieren kann, dort müssen Sie Ihre Aufmerksamkeit gezielt konzentrieren.

 

Mehr und mehr komme ich zu der Überzeugung, dass sich alles um die richtigen Mitarbeiter dreht. Ich selbst habe mit vielen Einzelheiten des Betriebs überhaupt nicht mehr viel zu tun. Meine Hauptaufgabe liegt darin, eine übergreifende Vision zu entwickeln und dann dafür zu sorgen, dass wir in allen Positionen die richtigen Menschen haben. Gerade wenn Sie mehr Mitarbeiter beschäftigen, ist es enorm wichtig, mit äußerster Sorgfalt diejenigen zu finden, bei denen Sie darauf vertrauen können, dass sie ihrer Aufgabe gewissenhaft gerecht werden und sich gut in das Gesamtumfeld einfügen.

 

 

Interviewpartner: Christian Arno (Gründer von Lingo24)

Webseite: www.übersetzungsbüro-lingo24.at

 

 

 

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